An Oliver Lemmer und Elke Höllen und ihren Füchsen kam keiner vorbei
Kreismeisterschaften der Spring- und Dressurreiter auf dem Gestüt Aluta in Bornheim-Widdig. Dickes Lob vom Vorsitzenden des Landespferdesportverbandes
Von Bärbel Dähling
BONN. So ganz unbeschwert konnte der neue Kreismeister der Springreiter seinen Titel dann doch nicht genießen. Dafür schmerzte seine rechte Schulter in Folge einer Kapselverletzung nach den drei anspruchsvollen Wertungsprüfungen (ein M**-, zwei S*-Springen) samt Stechen zum Abschluss zu stark. Aber Oliver Lemmer (RG Haus Dorp) biss die Zähne zusammen und flog mit dem neuen Kracher seines syrischen Sponsors über die bis zu 1,50 hohen und bis zu 2,80 Meter weiten Hinder- nisse, als wären die gerade mal etwas höhere Cavalettis.
Just bei simpler Trainingsarbeit über ein kleines Kreuz mit einem Nachwuchspferd hatte sich der 31-jährige Lohmarer vor rund sechs Wochen böse verletzt und saß erst drei Tage vor den Kreismeisterschaften erstmals wieder im Sattel. Aber die zehnjährige französische Fuchs-Stute Watch me, die unter akuter Holzallergie zu leiden scheint, weil sie immer deutlich höher über die Stangen springt, als es notwendig wäre, machte es ihm nicht allzu schwer.
International schon erfahren etwa in Nizza und Monte Carlo unter der australischen Amazone Edwina Alexander, leistete sich das hippologische Sahneschnittchen, das erst seit gut einer Woche im Stall Lemmer steht, in den drei Prüfungen gerade mal einen Abwurf und verwies die Konkurrenz auf die hinteren Plätze.
So ging der Vizemeistertitel letztlich an die Berufsreiterin Natasja Kleinpenning aus Holland, die auf dem belgischen Schimmel Pater Noster für den RC Meckenheim startet. Dritte wurde mit Stephanie Knauf (RJC Rodderberg) die 25 Jahre alte Bereiterin aus dem Stall Brüse auf der diesmal gar nicht zickigen jungen Stute Cordoba (7). Für den als Titelfavoriten gehandelten Karl Schneider (Rodderberg) blieb am Ende der undankbare Platz vier. „Ich hab’s in der zweiten Wertung am Freitag mit einem Abwurf selbst versiebt“, ärgerte er sich später und flüchtete sich dann in Galgenhumor: „Ich werd’ älter...“
Ganz souverän erritt sich Elke Höllen vom RFV Oberbachem mit ihrem zehnjährigen, selbst ausgebildeten Fuchs Wie Karo, der allenthalben nur Waldi genannt wird, den Titel bei den Dressurreitern der Leistungsklassen 1,2 und 3. Elke Höllen und der als Dreijähriger für gerade einmal 4000 Euro erstandene Fuchs mit dem dunklen Punkt auf der Kruppe dominierten die beiden entscheidenden S-Dressuren auf dem Gestüt Aluta in Bornheim-Widdig und gaben der Titelverteidigerin Sonja Bolz (28) und ihren Hannoveraner Waigatsch sowie Katharina Winkelhues (beide ARC Bonn) auf Rubina das Nachsehen. In der S**-Kür Intermediaire I, die als optischer und akustischer Leckerbissen am Sonntag im Rahmenprogramm mit den zehn besten Dressurreitern präsentiert wurde, improvisierte Elke Höllen bei strömendem Regen und war selbst überrascht, dass sie da Zweite (hinter Sonja Bolz) wurde. Hernach wurde sie als erste Reiterin des RFV Oberbachem mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt.
Ihren Dressur-Mannschafts-Titel verteidigte das Team vom RFV Im Heidental erfolgreich, bei den Springreitern gewann das Team Bernd Schlüters vom RV Beuel/Gut Ettenhausen.
Wie schon im Vorjahr hatten einige Reiter auch in diesem Jahr ihre Portemonnaies geöffnet und das Preisgeld für ein S-Springen gesponsert. Dirk Schneider als Chef des Kreis- pferdesportverbandes Bonn/Rhein-Sieg gab bei der Ehrung der Meister am Sonntagabend ein dickes Kompliment eines prominenten Gastes weiter. Friedrich Witte, seines Zeichens Vorsitzender des Landespferdesportverbandes war zur Übergabe des Goldenen Reitabzeichens gekommen und hatte bewundert festgestellt, dass bei den hiesigen Kreismeisterschaften sowohl im Springen als auch in der Dressur die Prüfungen von E- bis zum S-Niveau reichen. Witte „Das ist einmalig im Landesverband!“ Dass Schneider sehr froh und zufrieden ist mit dem Gestüt Aluta als Austragungsort der Meisterschaften, zeigte bei der Meisterehrung seine Frage an Hausherrin Peggy Schönenstein: „Dürfen wir 2011 wiederkommen?“ Wer kann da schon Nein sagen? Die Kreismeister im Einzelnen: Springen:
Reiter/Senioren LK1,2,3: Oliver Lemmer/Watch me (RG Haus Dorp) Reiter/Senioren LK 4,5,6: Sandra Vliegen/Lady Lilly (RJC Rodderberg) Junioren und Junge Reiter LK 3: Stephanie Schuepbach/Dorian Grey (RJC Rodderberg) Junioren und Junge Reiter LK 4,5: Caroline May/Pink Floyd (RC Meckenheim) Junioren und Junge Reiter LK 6,0: Catharina Conrad/Ice cream (RV Beuel/Gut Ettenhausen) Ponys: Loreen Hergarten/Carino (RC Meckenheim) Mannschaft: Team Schlüter, RV Beuel/Gut Ettenhausen (Christopher Krür/El Cera, Anna Lisa Schlüter/Eternity, Saskia Albrecht/Veiko und Uta Schäpers/A Crocodile) Dressur: Reiter/Senioren LK 1,2,3: Elke Höllen/Wie Karo (RFV Oberbachem) Reiter und Senioren LK 4,5: Sandra Busch/Westpoint (RSV Siebengebirge) Junioren, Junge Reiter und Senioren LK 3: Jacqueline Lindlahr/Tuaregs Vienna (RV Beuel/ Gut Ettenhausen) Junioren, Junge Reiter LK 4,5: Pia Wischerath/Leremy (PSG Wiesenhof) Junioren, Junge Reiter, Reiter und Senioren LK 6,0: Carolin Thim/Sypke (RFV Im Heidental) Ponys: Camilla Vreden/Didgeridoo (RFV Bad Honnef) Mannschaft: RFV Im Heidental 1 (Jessica Niederprüm/Painted Angel, Katharina Langdeldt/Noblesse, Sonja Besseler/Eismann)
Alle Ergebnisse finden Sie unter folgendem Link: http://www.fn-neon.de/Turniere/32215/Ergebnisse

Kreismeister 2010 Springen Senioren: Oliver Lemmer (RG Haus Dorp) Foto: Bärbel Dähling
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